Kaltumformungs-Wiki
Prozess

Rückwärtsfließpressen

Beim Rückwärtsfließpressen werden Hohlkavitäten in einem Rohling geformt, indem ein Stempel in das Material gedrückt wird. Das Metall fließt entgegengesetzt zur Stempelbewegungsrichtung — rückwärts — und bildet einen Becher oder ein tiefes Loch.

Rückwärtsfließpressen ist eine Kaltumformoperation, bei der ein Stempel in einen eingeschlossenen Rohling gedrückt wird und das Metall dabei in entgegengesetzter Richtung zur Stempelbewegung fließt — rückwärts und nach oben um den Stempel herum. Das Ergebnis ist eine Hohlkavität: ein Becher, ein tiefes Loch oder ein rohrförmiger Querschnitt, der ohne Materialabtrag geformt wird.

Backward Extrusion — Cross-Section

PUNCH DIE metal flows backward ↑ blank wall t
1Solid blank sits in the closed die cavity
2Punch descends — the die is closed at the bottom, so the same material cannot flow forward
3The blank deforms as one piece: the annular zones flow upward around the punch, forming a hollow cup — same material, only redistributed

Funktionsprinzip

Der Rohling wird in einer Gesenkkavität positioniert, die seinen Außendurchmesser begrenzt. Wenn der Stempel eindringt und in den Rohling eindringt, kann das Metall nicht nach vorne fließen (der Gesenk­boden blockiert es) und auch nicht nach außen (die Gesenkwände begrenzen es). Die einzig verfügbare Richtung ist rückwärts — nach oben, um den Stempel herum.

Die Stempelgeometrie bestimmt die Form der Kavität:

  • Ein flacher Stempel erzeugt ein flachsohlenförmiges Loch
  • Ein spitzer Stempel erzeugt einen konischen Boden
  • Ein Stempel mit Radius erzeugt einen Radiusboden

Der Fließpressstempel bestimmt den Innendurchmesser des Lochs; die Gesenkeinsatz kontrolliert den Außendurchmesser des Bauteils.

Schlüsselparameter: Wanddicke

Die Wanddicke ist beim Rückwärtsfließpressen entscheidend. Eine zu dünne Wand ist bruchgefährdet; eine zu dicke verschwendet Material und erhöht die Umformkraft. Die Wanddicke ergibt sich aus:

Wand = (Außen-Ø − Innen-Ø) / 2

Das Verhältnis zwischen Stempeldurchmesser und Gesenkdurchmesser bestimmt, wie das Metall fließt und welche Kraft erforderlich ist. Eine typische Richtlinie besagt, dass die minimale Wanddicke mindestens 15–20 % des Außendurchmessers betragen sollte, obwohl dies je nach Werkstoff variiert.

Typische Anwendungen

Rückwärtsfließpressen wird verwendet für:

  • Innensechskantschrauben (die Innensechskantkavität)
  • Hohlnieten und rohrförmige Verbindungselemente
  • Tiefe Löcher und Sacklochbohrungen in Umformteilen
  • Becherförmige Vorformen für nachfolgende Operationen

Herausforderungen

Rückwärtsfließpressen erfordert eine präzise Ausrichtung zwischen Stempel und Gesenk. Jeder seitliche Versatz führt zu einem exzentrischen Loch, ungleichmäßiger Wanddicke und schnellem Stempelverschleiß. Der Stempel ist an seiner Spitze sehr hohen Druckspannungen ausgesetzt — insbesondere bei tiefen Löchern —, was die Werkstoffwahl und Oberflächenbehandlung des Stempels entscheidend macht.

Chevron-Fehler — innere Risse entlang der Mittellinie des Bauteils — können beim Rückwärtsfließpressen auftreten, wenn zu viele Fließpressdurchgänge angewendet werden, die Querschnittsreduzierung pro Durchgang zu hoch ist oder die Gesenkwinkelgeometrie ungünstig ist.

Bezug zur Manzoni-Technologie

Das Manzoni Extra Deep Forming®-System wurde speziell entwickelt, um die erreichbare Formtiefe auf einem Standardmehrstufenpressautomaten zu erweitern. Die Transferfinger führen eine ungewöhnlich weite und schnelle Bewegung aus, die es dem Stempel ermöglicht, tiefer in das Gesenk einzudringen und damit Bauteile mit besonders tiefen Löchern herzustellen, die normalerweise eine größere und teurere Maschine erfordern würden.

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