Rüstzeit
Die Rüstzeit ist die Gesamtzeit, die benötigt wird, um die Produktion eines Bauteils zu stoppen, das Werkzeug zu wechseln, die Maschine einzurichten und das erste gute Teil des nächsten Auftrags herzustellen. Sie ist eine wichtige Produktivitätskennzahl in der Kaltumformung.
Rüstzeit — auch Einrichtzeit oder Auftragswechselzeit genannt — ist die gesamte abgelaufene Zeit zwischen dem letzten guten Teil eines abgeschlossenen Produktionslaufs und dem ersten guten Teil des nächsten. Bei einem Mehrstufenpressautomaten umfasst das Umrüsten typischerweise den Austausch von Gesenken, Stempeln, Transferfingern, Drahtzuführkomponenten sowie die Neujustierung aller Maschinenparameter für die neue Bauteilgeometrie.
Warum die Rüstzeit wichtig ist
Ein Mehrstufenpressautomat, der mit 200 Stk./min produziert, aber bei jedem Auftragswechsel 8 Stunden Einrichtzeit benötigt, ist weit weniger produktiv als eine Maschine, die mit 150 Stk./min produziert und 2 Stunden Rüstzeit erfordert — insbesondere für Lohnfertiger oder Hersteller mit häufigen kurzen Produktionsläufen.
Der OEE (Overall Equipment Effectiveness) einer Umformlinie wird direkt durch die Rüstzeit beeinflusst. Die Reduzierung des Einrichtens von 6 Stunden auf 2 Stunden bei einer Maschine, die täglich drei verschiedene Teile fertigt, ergibt über 1.000 Stunden zusätzliche Produktivkapazität pro Jahr.
Was das Umrüsten bei einem Mehrstufenpressautomaten komplex macht
Ein 5-stationiger Mehrstufenpressautomat hat:
- 5 Gesenkbaugruppen (jede erfordert Ausbau, Austausch und Vorspannungseinstellung)
- 5 Stempelbaugruppen (jede erfordert Höhen- und Zentrierungseinstellung)
- 5 Auswerferstift-Positionen (jede erfordert Tiefeneinstellung)
- Transferfingersätze (ein Satz pro Station, Greifgeometrie angepasst an den Teildurchmesser)
- Drahtzuführkomponenten (Führungsbuchse, Schneidmesser — auf den Drahtdurchmesser abgestimmt)
- Maschineneinstellungen: Vorschublänge, Abschnittslänge, Schmierölmengen, Geschwindigkeit
Bei herkömmlichen Maschinen ohne systematisches Einrichtungsabrufsystem muss jeder Parameter von Grund auf neu eingestellt werden. Erfahrene Bediener verlassen sich bei Einstellungen früherer Läufe oft auf handschriftliche Notizen oder ihr Gedächtnis.
Systematische Ansätze zur Rüstzeitreduzierung
Externes Einrichten
Alle Werkzeuge werden außerhalb der Maschine — in einer Einrichtvorrichtung — vorgebaut und vermessen, während die Maschine noch den vorherigen Auftrag fertigt. Wenn die Maschine stoppt, verbleiben nur noch die abschließende Installation und Justierung.
Einrichtungsabrufsysteme
Elektronische Speicherung aller Maschineneinstellungen unter einer Artikelnummer. Wenn dasselbe Teil erneut gefertigt wird, werden die Einstellungen abgerufen und die Maschine entsprechend dem vorherigen Lauf konfiguriert — ohne erneutes Erlernen.
Positionsanzeigen und Markierungen
Mechanische oder elektronische Anzeigen an allen einstellbaren Komponenten, die deren korrekte Position für eine bestimmte Einrichtung anzeigen. Der Bediener stellt jede Komponente auf die angezeigte Position ein, anstatt per Versuch und Irrtum vorzugehen.
Umrüsten auf Manzoni-Maschinen
Das Read, Set & Go®-System auf Manzoni-Maschinen adressiert das Umrüsten systematisch:
- Die vollständige Maschineneinrichtung — alle Stationspositionen, Auswerfertiefen, Vorschublänge, alle einstellbaren Parameter — wird im Maschinenspeicher unter einer Artikelnummer gespeichert
- Elektronische Positionsanzeigen an jedem Einstellpunkt zeigen die Zielposition für den ausgewählten Artikel
- Physische Markierungen an mechanischen Komponenten bestätigen die Positionsausrichtung
- Die Einrichtvorrichtung für Transferfinger ermöglicht die Voreinstellung der Fingergreifgeometrie außerhalb der Maschine
Da Manzoni-Maschinen das Manzoni Absolute Zero Clearance®-Lagersystem verwenden, sind Stempel stets ausgerichtet — beim Werkzeugwechsel ist kein Stempelzentrieren erforderlich. Dieser Schritt allein macht bei Maschinen mit Bronzebuchsenführungen typischerweise 30–60 Minuten der Einrichtzeit aus.
Die Kombination aus Read, Set & Go®, nullspielbasierter Ausrichtung und ergonomischer Maschinengestaltung (geringe Gestellhöhe, vollständige Zugänglichkeit aller Einstellpunkte) bedeutet, dass selbst Bediener ohne vorherige Erfahrung mit einem bestimmten Teil die Maschine korrekt einrichten können.
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